Hallo Leute,
ich bin wieder zu Hause. Was viele von euch nicht wussten, ich habe meinen Rückflug vor Weihnachten legen lassen und absichtlich das ganze als Weihnachtsüberraschung verheimlicht.
Leider hat meine Überraschung nicht ganz so geklappt, wie ich es mir erhofft habe. Schuld daran war der böse Winter.
Meine letzten Tage in Togo verbrachte ich erst in Kpalimé, wo ich an meinem Abschlusseminar teilnahm und anschließend in meiner Stadt Atakpamé. Ich hatte somit noch ein wenig Zeit Abschied zu nehmen, letzte Souvenirs zu besorgen und alles in Ruhe nochmal zu genießen.
Am 23.12. machte ich mich dann morgens auf nach Lomé um abends den Flieger nach Paris zu nehmen. Mein Organisationschef brachte mich und Alina zum Flieger und mit etwas Verspätung hoben wir Richtung Norden ab. Im Flugzeug bekam man dann so langsam einen Vorgschmack auf Europa.
Ich muss sagen, dass ich das ganze relativ emotionslos aufnahm. Sowohl den Abschied als auch die Ankunft zu Hause.
Klar, ich habe den ein oder anderen Freund in Togo gefunden und ich werde sie für eine ziemlich lange Zeit nicht wiedersehen. Und als ich sie verabschiedete war ich auch traurig, aber diese Trauer verflog ziemlich schnell, nämlich schon auf der Fahrt nach Lomé.
Sie wurde aber auch nicht gegen eine extreme Vorfreude ersetzt. Ich wusste es geht nach Hause und zwar an diesem Tag, aber ein extremes Gefühl kam nicht zu Stande.
An Heiligabend gegen 9.00 h Ortszeit landete ich dann in Paris. Ich sah aus dem kleinen Fenster des Flugzeugs ca. 1 cm Schnee und der Captain verkündete, dass wir ca. 4°C hätten. Dann dürfte es also doch keine Probleme mit dem Weiterflug geben, oder?
Doch die gab es. Air France hatte sämtliche Flüge nach Deutschland gestrichen. Die Begründung dafür war, dass es kein Enteisungsmittel gab um die Tragflächen zu enteisen. Unser eigentlicher Flug um 7:30 h morgens war weg, der nächste um 10:40 h gestrichen. Um 13:40 h gab es noch einen Flieger, jedoch war der schon maßlos überfüllt. Blieb für uns also nur noch der Flieger um 18:45 h und man konnte uns nicht versichern, ob der wirklich abhob.
Damit war die Weihnachtsüberraschung kaputt. Es war eigentlich geplant, dass ich um 9:00 h morgens in Berlin lande, meine Freunde mich erwarten und wir dann auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Nachmittags wollte ich dann die Familie überraschen und zur Bescherung antanzen. Aus der Traum…
Naja, wir bekamen von Air France Gutscheine für Frühstück und Lunch, lösten den ersten ein und verweilten an einem halbwegs warem Plätzchen. Es lag sicherlich noch an unserem Afrika-Habitus, dass uns tierisch kalt war, aber auf dem Flughafen wurde auch kaum geheizt.
Ich habe ja in meinem Leben schon den ein oder anderen Flughafen gesehen, aber Charles de Gaulles in Paris ist mit Abstand der unschönste Flughafen, den ich gesehen habe.
Nach etlichen Stunden checkten wir irgendwann ein und mussten zu unserem Bedauern feststellen, dass es im Check-In-Bereich noch kälter war. Wir stellten ebenfalls fest, dass unser Flug um 2 h nach hinten verlagert wurde. Gegen 20 h rief ich deshalb zu Hause an und meine ersten Worte waren: Mir ist kalt.
Meine Mutter, die wegen besonderer Umstände bereits eingeweiht war, hat den ganzen Tag „heimlich“ am Computer die Abflugszeiten von Paris gecheckt. Mein Vater, der das mitbekam, war also nicht mehr allzu überrascht, als ich anrief und sie bat zum Flughafen zu kommen um mich abzuholen.
Um kurz vor 11 h abends landete ich in Berlin. Meine Koffer haben ihr Ziel erreicht, im Gegensatz zu einem Koffer von Alina, in dem sie viele Souvenirs hatte. Bis heute ist der Koffer noch nicht da…
Zu meiner Überraschung waren nicht nur meine Familie sondern auch viele Freunde anwesend. Ich freute mich, sie alle wiederzusehen und in die Arme schließen zu können. Einige hatte ich für etwa 1,5 Jahre nicht mehr gesehen. Und so fuhr ich dann mit der Familie durchs verschneite Berlin.
Nach rund 2 Wochen, in denen ich wieder hier bin, hab ich mich schon mehr oder weniger wieder eingelebt. Alles war für mich wie immer und total vertraut. Es war so, als wenn ich nur etwas länger im Urlaub gewesen wäre.
Einige Sachen wirken jedoch noch nach. Ich habe es beispielsweise noch nicht geschafft, meinen Rhythmus auf Pünktlichkeit umzustellen.
Außerdem habe ich das Gefühl, jeden weißen Menschen auf der Straße zu kennen. In meiner Heimatstadt kannte ich ja alle Weißen und so geht mir das hier auch ein wenig.
Die Kälte bereitet mir Schwierigkeiten, sobald ich rausgehe und egal was ich anhabe, mir ist immer kalt. In zwei Wochen flieg ich nach Salzburg und geh Ski fahren, mal sehen, wie ich dann mit der Kälte klar komme.
Aber ansonsten geht alles mittlerweile seinen Gang. Und nun die Frage, die ich in letzter Zeit vermutlich 1000-mal gehört habe: Und was kommt jetzt, Chris?
Mein Wunsch war es eigentlich nach dem Jahr in Togo eine Ausbildung als Flugbegleiter zu absolvieren und im Anschluss Medizin zu studieren.
Die Idee, des Medizinstudiums hatte ich schon länger, jedoch denke ich, dass das nichts für mich ist. Schon allein wegen meines Abis müsste ich 5 Jahre warten, bevor ch überhaupt anfangen könnte zu studieren und dann ist ja so ein Studiengang auch kein Kinderspiel…
Also dachte ich mir, dass ich erst den Flight Attend mache und anschließend anfange zu studieren. Verschiedene Leute, an der Spitze meine liebe Mutter
, rieten mir jedoch, erst eine Ausbildung/Studium zu machen und anschließend für einige Zeit Flugbegleiter zu werden.
Und getreu nach Goethe könnte ich nun sagen: Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.
Aber so schlimm ist es nun wieder doch nicht.
Ab der nächsten Woche werde ich in einem Hostel in Berlin-Weißensee arbeiten. Und in der nächsten Zeit werde ich wissen, was ich denn nun studieren werde/kann.
Und nun zum Schluss. Ich hoffe, es hat Ihnen/ Euch immer Spaß gemacht meine Einträge zu lesen. Es war ein ereignisreiches Jahr für mich, eins was ich niemals vergessen werde. Es hat mich stets gefreut, Ihnen/ Euch ein wenig Anteil daran haben zu lassen und es half auch mir bei der Verarbeitung des Geschehenen. Ich kann jedem, der sich ich in meiner Situation befindet so ein Jahr nur empfehlen. Man wird dadurch stark geprägt.
Mit ganz lieben Grüßen und ein frohes neues Jahr wünscht
Chris


